Der Klimawandel ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine Informationskrise. Entscheidungen in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft hängen davon ab, ob Daten zu Umwelt- und Klimathemen verlässlich, transparent und maschinenlesbar verfügbar sind. Große Wissensdatenbanken wie Wikipedia, Wikidata und spezialisierte Umweltportale spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie strukturieren Umweltdaten, verlinken Quellen und machen komplexe Zusammenhänge für Menschen und Maschinen zugänglich.
Struktur, Verlinkung und Aktualisierung von Umweltdaten
Wikipedia ist in erster Linie eine textbasierte Enzyklopädie, die Umwelt- und Klimathemen in Artikeln zu Begriffen wie Klimawandel, Biodiversität, Naturschutzgebieten oder Umweltorganisationen aufbereitet. Die Struktur entsteht über Kategorien, interne Links und Vorlagen. So sind etwa Artikel zu Schutzgebieten, Arten oder Emissionsstatistiken untereinander verlinkt und mit Literaturangaben sowie Weblinks versehen. Die Aktualität entsteht durch die Arbeit tausender freiwilliger Autorinnen und Autoren, die neue Studien, Gesetzesänderungen oder umweltberichte laufend einpflegen.
Umweltportale – etwa solche von Umweltbehörden, Forschungsinstituten oder internationalen Organisationen sind dagegen meist daten- und indikatororientiert. Sie stellen Emissionsdaten, Klimaszenarien, Artenlisten oder Messreihen über interaktive Karten, Diagramme und Download-Schnittstellen zur Verfügung. Diese Portale sind für Fachleute unverzichtbar, bleiben aber für die breite Öffentlichkeit oft schwer zugänglich, da sie stark fachsprachlich und weniger narrativ aufgebaut sind.
Wikidata als Brücke zu Klimamodellen und Wissenssystemen
Wikidata, die strukturierte Schwester von Wikipedia, fungiert als zentrale Wissensdatenbank, in der Fakten als maschinenlesbare Aussagen gespeichert werden. Ein Naturschutzgebiet, eine bedrohte Art oder eine Messstation können dort als eigene Datenobjekte mit Eigenschaften (z. B. Geokoordinaten, Schutzstatus, Land, Gefährdungsgrad) und Quellen verknüpft werden.
Für Klimamodelle, Biodiversitätsforschung und automatisierte Wissenssysteme ist das von großem Wert: Anwendungen können über offene Schnittstellen (APIs) direkt auf Wikidata zugreifen, Daten zu Arten, Gebieten oder Institutionen kombinieren und mit anderen offenen Datensätzen verknüpfen. So entsteht ein globaler, frei nutzbarer Wissensgraph, der Umweltdaten nicht isoliert, sondern im Kontext von Geschichte, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zeigt.
Herausforderungen bei der Standardisierung von Umweltdaten
Eine große Herausforderung ist die Standardisierung. Umwelt- und Klimadaten stammen aus sehr unterschiedlichen Quellen: wissenschaftliche Studien, nationale Inventare, Satellitendaten, NGOs, internationale Organisationen. Sie verwenden verschiedene Einheiten, Zeiträume, Methoden und Klassifikationen.
In Wissensdatenbanken müssen daher einheitliche Ontologien und Datenmodelle entwickelt werden: Wie wird eine Art definiert? Wie wird der Schutzstatus abgebildet? Welche Zeitskalen werden bei Emissionen genutzt? Fehlerhafte oder unklare Modellierung führt zu Missverständnissen – sowohl bei menschlichen Leserinnen und Lesern als auch in KI-Systemen, die auf den Daten aufbauen.
Konkrete Anwendungsbeispiele
Artenkataloge und Biodiversität
Artenartikel in Wikipedia können mit Daten in Wikidata und externen Umweltportalen verknüpft werden. So lassen sich Gefährdungsstatus, Vorkommen und Schutzprogramme bündeln. Ein automatisiertes System kann etwa erkennen, welche Arten regional gefährdet sind und in welchen Schutzgebieten sie vorkommen.
Klimadaten und Emissionsstatistiken
Umweltportale liefern detaillierte Emissionsstatistiken und Klimaprojektionen. Wikipedia-Artikel erklären die Hintergründe – etwa Emissionshandel, nationale Klimapolitik oder Sektoranalysen. Wikidata kann strukturierte Informationen zu Ländern, Sektoren oder Zielvorgaben bereitstellen, die dann von Visualisierungstools oder KI-Anwendungen genutzt werden.
Kooperationen zwischen Wikimedia und Umweltinstituten
Zunehmend arbeiten Wikimedia-Projekte mit Umweltbehörden, Forschungseinrichtungen und NGOs zusammen. In sogenannten „Edit-a-thons“ oder thematischen Projekten stellen Institutionen Daten, Berichte und Bildmaterial zur Verfügung, während die Community diese Inhalte in neutrale, gut belegte Artikel übersetzt. So entstehen Synergien: Umweltportale bleiben die primäre Datenquelle, Wikipedia und Wikidata machen das Wissen sichtbar, verständlich und maschinenlesbar.
Der Vergleich zeigt: Wikipedia, Wikidata und Umweltportale ergänzen sich gegenseitig. Gemeinsam ermöglichen sie einen offenen, globalen Zugang zu Umwelt- und Klimawissen – eine Grundvoraussetzung dafür, dass Gesellschaften informierte Entscheidungen im Sinne des Umweltschutzes treffen können.
Weiterführende deutschsprachige Informationen
Wikipedia / Wikimedia
Wikipedia: Umweltportal
– Überblick über Umwelt- und Klimathemen.
Wikipedia: Klimawandel
– Ursachen, Folgen und wissenschaftliche Grundlagen.
Wikidata: Einführung für deutschsprachige Nutzer
– Grundlagen zu Datenmodellen, Abfragen und Properties.
WikiProject Environment
– Internationale Zusammenarbeit zu Umweltartikeln (englisch).
Deutsche Umweltportale & Forschungsstellen
Umweltbundesamt (UBA) – Daten & Fakten
– Emissionsstatistiken, Umweltindikatoren und Klimatrends.
Deutsches Klimarechenzentrum (DKRZ)
– Klimamodelle, Simulationen und Forschungsdaten.
Bundesamt für Naturschutz (BfN)
– Artenlisten, Rote Listen und Schutzgebiets-Daten.
Deutscher Wetterdienst (DWD) – Klimadaten
– Messreihen, Klimaprojektionen und historische Daten.
Offene Datenportale (Open Data)
GovData – Das Datenportal für Deutschland
– Umwelt- und Energiedaten der öffentlichen Verwaltung.
EU Open Data Portal
– Europäische Umwelt- und Klimadaten.
GBIF – Global Biodiversity Information Facility
– Weltgrößte Plattform für Biodiversitätsdaten.
Kooperationen zwischen Forschung & Wikimedia
Wikimedia Deutschland – Offene Wissenschaft
– Projekte zu offenen Daten, Forschung und Wissensvermittlung.
TIB Hannover: Wikidata in der Wissenschaft
– Fachbeitrag über Einsatzmöglichkeiten im Forschungsbereich.
Beispiele guter Praxis
OpenEcoMaps
– Offene Umwelt- und Ökodaten in interaktiven Karten.
Wikidata SPARQL-Beispiele
– Beispielabfragen zu Umwelt- und Biodiversitätsdaten.